Liebe Gartler/innen,
heute wieder ein Beitrag über eine Pflanze, die einerseits essbar und für uns und vielen Insekten sehr
wertvoll ist, aber die Gartler aufgrund ihrer invasiven Eigenschaft verzweifeln lässt.
Lassen Sie mich heute im nachfolgenden Blog die besonderen Eigenschaften und gleichzeitig
Bekämpfungsmöglichkeiten für einer zu intensiven Ausbreitung dieser Pflanze aufzeigen.
Viel Spaß beim Lesen und Umsetzen:

Giersch (Aegopodium podagraria) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die durch ihr schnelles
Wachstum, ihre heilsamen Wirkungen und ihren hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen
auffällt.
Wichtige Erkennungsmerkmale des Giersch sind:
- Der Blattstängel ist dreikantig und hohl (dreieckige Form).
- Vom bis zu 20 cm langen Stängel gehen drei Blattgruppen ab, die jeweils wieder in drei
- Fiederblättchen unterteilt sind („Dreierregel“) – Darstellung weiter unten.
- Die Fiederblättchen sind blau- bis mittelgrün, eiförmig mit spitz zulaufender, gesägter Kante.
- Die Unterseite ist behaart, die Oberseite kahl.
- Der Giersch verströmt einen charakteristischen, angenehmen Geruch, der an Möhre und Petersilie erinnert.
- Die Pflanze bildet weiße bis leicht rötliche Doppeldoldenblüten ab Juni.
- Wurzeln sind weißlich, etwa 1–3 mm dick, und bilden ein unterirdisches Ausläufernetzwerk.
- Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 30 bis 100 cm und breitet sich zu dichten Teppichen aus.
Giersch unter Kontrolle bringen – praktische Tipps für den Gartenalltag
Eine effektive Bekämpfung von Giersch im Garten verlangt gründliche und langfristige Maßnahmen.
Die wichtigsten Methoden werden im Folgenden detailliert beschrieben.
Ausgraben und die Erde sieben
- Boden lockern: Mit einer Grabegabel sollte der Boden stückweise gelockert werden, damit die Rhizome (unterirdischen Ausläufer) möglichst unversehrt entfernt werden können.
- Wurzeln aussieben: Das Rhizomgeflecht muss vollständig ausgesiebt werden. Bereits kleinste zurückbleibende Wurzelteile treiben wieder aus – absolute Gründlichkeit ist gefragt.
- Nicht umgraben: Umgraben allein bringt keinen Erfolg, denn dabei zerbricht das Rhizom nur und der Giersch verteilt sich noch weiter im Beet.
- Entsorgung: Alle Pflanzentzeile entweder mehrere Tage in der Sonne trocknen oder direkt über den Hausmüll entsorgen – Kompostieren nur mit vollständig abgestorbenen Pflanzen.
Fläche abdecken und mulchen
- Schwarze Folie oder dicke Pappe: Auf nicht bepflanzten Flächen den Boden mit lichtundurchlässigen Materialien abdecken, darauf eine rund 10 dicke Schickt Mulch (z.B gehäckselte Rinde oder Hackschnitzel) ausbringen.
- Dauer: die Abdeckung muss mindestens 1-2 Jahre liegen bleiben. So entzieht man dem Giersch dauerhaft das Licht, und die Rhizome sterben ab.
- Unkrautvlies: Als dauerhafte Beetabdeckung eignet sich ein spezielles Unkrautvlies, das ebenfalls mit Mulch bedeckt wird. Bepflanzungen sind durch Schlitze im Vlies trotzdem möglich.
Regelmäßiges Abmähen und Schwächen
- Früher Start: Bereits im Frühjahr, wenn die ersten Blätter austreiben, konsequent abschneiden oder mähen.
- Mehrmaliges Hacken: Mehrmals im Jahr den neuen Austrieb bodennah entfernen. Das schwächt den Giersch mit der Zeit,ist aber Langwierig.
Einsatz von Konkurrenzpflanzen
- Kartoffelkultur: Eine dichte Karoffelpflanzung beschattet den Boden stark, entzieht dem Giersch Licht,Wasser und Nährstoffe und kann Iíhn wirksamm unterdrücken – besonders bei neuen Gärten.
- Dichte Stauden: und Bodendecker: auch robuste, wuchs freudige Pflanzen wie Storchschnabel oder Elfenblumen nehmen dem Giersch Raum und reduzieren seine Ausbreitung.
Herbizide (nur als letzte Möglichkeit)
- Es gibt umweltverträgliche Herbizide, die aber nur bei massivem Befall empfohlen werden.
- Diese Spritzmittel schädigen auch andere Blumenbeete und Mischpflanzungen und sollten nur im Extremfall und Flächengenau angewendet werden.
- Die in diesem Herbizid enthaltene Pelargonsäure zerstört die Zellwände der Pflanzen und sorgt für eine schnelle Sofortwirkung, während Maleinsäurehydrazid die Zellteilung in den Wurzeln hemmt und so den Neuaustrieb wochenlang verhindert.
- Die Mittel sind überwiegend Insektenfreundlich, biologisch abbaubar und werden als nicht bienengefährlich ( Einstufung B4) eingestuft, auch schonend für Haustiere und Igel und kann nach dem Antrocknen der behandelten Flächen sofort wieder von Haustieren betreten werden.
Weitere Tipps und Hinweise
- Verwendung als Gemüse: Junge Gierschblätter eigenen sich als Wildgemüse- regelmäßige Ernte schwächt die Pflanze. Jedoch muss man genau hinschauen, ob es sich hierbei um Giersch oder einen seiner sehr giftigen Doppelgängern, wie z.B die Schierlinge handeln
Worin unterscheiden sich Giersch und der giftige Schierling
Der Schierling gehört zu den giftigsten “ einheimischen“ Pflanzenarten. Sein in allen Teilen vorhanden Wirkstoff ist das Pseudoalkaloid Coniin, das für den Erwachsenen in einer Dosis von 0,5 bis 1g tödlich ist. Der Stoff wird aus verletzten Pflanzenteilen auch über die unverletzte Haut aufgenommen und verursacht Rötung und schließlich Blasenbildung.
Auch für Pferde, Rinder,Kühe,Schweine,Hunde,Katzen,Hasen,Kaninchen,Meerschweinchen und Vögel stark giftig.
Wichtige Unterschiede zwischen Giersch und dem giftigen „Gefleckten Schierling“ sind :
- Geruch: Giersch duftet angehehm nach Möhre und Petersilie,
der gefleckte Schierling hingegen unangenehm stechend nach Mäuse Urin. - Stängel: Giersch hat einen grünen, dreikantigen,glatten Stängel ohne Flecken.
der gefleckte Schierling bestitzt einen Stängel mit roten bis rotbraunen Flecken. - Größe: Giersch wird 30-100cm hoch, der Gefleckte Schierling 80-200cm
- Blätter: Giersch-Blätter sind eiförmig mit gesägtem Rand, die des Schierlings sind feiner gegliedert,schmaler und stärker gefiedert.
- Wurzeln: Giersch hat filigrane Wurzeln,der Wasserschierling (auch sehr giftig) besitzt knollenartige,verdickte Wurzeln.
- Gelbe Flüssigkeit: Beim Anschneiden des Stängels tritt beim Wasserschierling eine gelbliche Flüssigkeit aus, beim Giersch nicht.
- Wurzeln als Jauche: Statt zu entsorgen, können getrocknete Gierschteile mit Wasser zu einer nährstoffreichen Jauche verarbeitet werden.
- Geduld: die Dauerhafte Eindämmung des Giersch ist ein Prozess, der in aller Regel mehrere Jahre Geduld und Konsequenz verlangt.
Unterscheidung vom Hecken-Kälberkropf
Weiterer Doppelgänger ist der etwas weniger giftiger Hecken-Kälberkropf (Chraerophyllum temulum).
Ein Erkennungsmerkmal sind rötliche Flecken und keulenartige Verdickungen am Stängel, die beim Giersch nicht vorkommen.
Für Tiere ist der Kälberkopf giftig ( Polyin Falcarinol) für Menschen nur schwach giftig.
Es gibt noch weitere Kälberkropfarten, wie den Behaarten Kälberkropf, den Knolligen Kälberkropf oder den Gold-Kälberkropf. Diese sind jedoch nicht giftig.
Unterscheidung von der Hundspetersilie
Auch die Hundspetersilie ist stark giftig für Mensch und Tier ( Polyingemisch aus Aethusin und Aethusanol A und B ) Nach dem Verzehr entsteht ein Brennen im Mund und Rachenraum, erhöhter Speichelfluss, Übelkeit und Erbrechen, Kaltschweißigkeit, schneller Puls, Pupillenerweiterung und Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinseintrübung und Atemlähmung.
Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Giersch und Hundspetersilie :
- Blätter: Giersch hat drei Blattgruppen mit jeweils drei einzelnen Blättern, die einen gezackten Rand haben. Die Blätter sind eiförmig, hellgrün,leicht behaart unten und glatt oben.
Hundspetersilie hat deutlich feinere, länglichere und feiner gegliederten Blätter, die am Rand glatt sind und nicht gesägt oder gezackt. - Stängel: Der Stängel der Gierschs ist grün, hohl und im Querschnitt dreieckig. Der Stängel der Hundspetersilie ist ebenfalls grün, kann aber gelegentlich rötlich überlaufen und ist im Querschnitt rund bis leicht oval.
- Geruch: Giersch verströmt beim Zerreiben der Blätter einen angenehmen Geruch nach Petersilie und Möhre. Die Hundspetersilie riecht beim Zerreiben eher unangenehm und leicht knoblauchartig.
- Blüten: Giersch hat keine Hüllblätter an den Blüten, Hundspetersilie hat drei nach unten zeigende, längliche Hüllblätter.
Zusatz: Ein wichtiges Merkmal zur Erkennung von Giersch ist die sogenannte “ Dreierregel“:
Dreieckiger Stängel, drei Blattgruppen pro Stängel, und jede Blattgruppe ist dreifach gefiedert.
Das Thema Giersch begegnet wohl fast jedem, der mit Leidenschaft den Garten pflegt.
Unsere zusammengestellten Informationen sollen euch dabei unterstützen, diesen hartnäckigen Pflanzenwuchs besser zu verstehen und geeignete Wege zur Eindämmung zu finden.
Mit Geduld, ein bisschen Ausdauer und den Passenden Tipps lässt sich auch der Giersch in Schach halten,
damit eure Beete wieder mehr Raum für Lieblingsblumen,Gemüse und Kräuter haben.
Wir wünschen euch viel Freude im Garten und natürlich viel Erfolg bei der Gierschbekämpfung!
Euer
Mathias Schneider
Kreisverband für Gartenbau und Landespflege, Kulmbach
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